Wenn Zusammenarbeit schwierig wird, liegt es selten nur an den Menschen
Zusammenarbeit entsteht nicht nur zwischen Menschen
Wie Menschen miteinander arbeiten, wird auch davon geprägt, unter welchen Bedingungen sie arbeiten.
- Welche Erwartungen gibt es?
- Sind Rollen und Verantwortlichkeiten klar?
- Wie werden Entscheidungen getroffen?
- Welche Orientierung gibt Führung?
- Welche unterschiedlichen Interessen und Perspektiven treffen aufeinander?
Gerade in Organisationen, in denen viele Anforderungen gleichzeitig zusammenkommen, können daraus Spannungen entstehen. Mitarbeiter:innen müssen beispielsweise unterschiedliche Erwartungen erfüllen, Führungskräfte stehen zwischen verschiedenen Interessen und Teams entwickeln eigene Vorstellungen davon, was im Alltag funktionieren kann.
Dann kann ein Konflikt sichtbar werden, obwohl seine eigentlichen Ursachen an anderer Stelle liegen.
Nicht vorschnell nach dem Schuldigen suchen
Wenn Zusammenarbeit schwierig wird, ist deshalb eine andere Frage oft hilfreicher:
„Was passiert hier eigentlich zwischen den Menschen – und welche Bedingungen tragen dazu bei?“
Dieser Perspektivwechsel verändert den Blick.
Nicht mehr:
„Wer ist das Problem?“
Sondern:
„Was macht die Zusammenarbeit an dieser Stelle schwierig?“
Damit wird es möglich, genauer hinzuschauen: auf Rollen, Erwartungen, Kommunikation, Führungsverhalten, Strukturen und auf das, was bisher vielleicht nicht ausgesprochen wurde.
Konflikte können Hinweise geben
Ein Konflikt ist dabei nicht automatisch ein Zeichen dafür, dass Zusammenarbeit gescheitert ist.
Manchmal zeigt er, dass etwas geklärt werden muss.
- Vielleicht sind Verantwortlichkeiten unklar.
- Vielleicht haben sich Anforderungen verändert.
- Vielleicht gibt es unterschiedliche Vorstellungen darüber, was gute Arbeit bedeutet.
- Oder Menschen haben über längere Zeit versucht, mit einer Situation zurechtzukommen, für die es bisher keinen gemeinsamen Umgang gibt.
Dann geht es nicht darum, den Konflikt möglichst schnell „wegzumachen“.
Es geht darum, zu verstehen, was hinter ihm steckt.
Veränderung beginnt mit einem gemeinsamen Blick
Für mich beginnt gute Teamentwicklung deshalb nicht mit einer fertigen Methode.
Sie beginnt mit der Frage:
Was brauchen die Beteiligten, damit Zusammenarbeit wieder möglich und sinnvoll wird?
Dafür braucht es manchmal Klarheit über Rollen und Verantwortung. Manchmal ein offenes Gespräch über Erwartungen. Manchmal eine Veränderung in der Führung. Und manchmal einfach einen geschützten Rahmen, in dem Dinge ausgesprochen werden können, die im normalen Arbeitsalltag keinen Platz haben.
Entscheidend ist, dass die Beteiligten nicht nur über ihre Zusammenarbeit sprechen, sondern gemeinsam verstehen, was sie verändern können und wollen.
Denn nachhaltige Zusammenarbeit lässt sich nicht verordnen.
Sie entsteht dort, wo Menschen Klarheit gewinnen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam an ihrer Zusammenarbeit arbeiten.
Mein persönlicher Blick darauf
Nach vielen Jahren in Beratung und Organisationsentwicklung habe ich gelernt: Wenn Zusammenarbeit schwierig wird, lohnt es sich fast immer, einen Schritt zurückzutreten, bevor man Lösungen sucht.
Nicht um Probleme kleinzureden oder Verantwortung zu relativieren.
Sondern um genauer zu verstehen, worum es tatsächlich geht.
Denn erst wenn das sichtbar wird, kann Veränderung dort ansetzen, wo sie wirklich gebraucht wird.